5 Dinge die ich gern vor dem Sporbootführerschein See gewusst hätte

Wie alles begann

Disclaimer: Am Anfang geht es nur um meine Motivation für den Sportbootführerschein. Wenn das dich nicht interessiert, sondern nur die Tipps, die ich für dich habe, so überspringe diesen Abschnitt und gehe gleich zu „1. Welcher Schein ist für mich der richtige?“.

Es begann im Frühjahr 2018. Ein Freund von mir, Paul, trug die Idee an mich heran, gemeinsam einen Sportbootführerschein zu erwerben. Ich fand den Vorschlag interessant, kannte mich mit dem Thema aber zu wenig aus und das Interesse war zunächst auch nicht groß genug um sofort damit anzufangen. Ein paar Monate später hatte ich meinen ersten Arbeitstag als Unternehmensberater nach meinem Studium. An diesem Tag lernte ich gleich meinen Kollegen Julian kennen, der mit mir gemeinsam im selben Team anfing. Beim Kennenlernen erzählte jeder von seinen Hobbies und Julian erzählte mir, dass er mindestens ein mal im Jahr mit Freunden und/oder Familie segeln geht. Ich schwieg, denn ich hatte überhaupt keine Hobbies. Alles was ich kannte war das Studium, abends mal Laufen zu gehen, samstags auszuschlafen und sonntags in die Kirche zu gehen. Aber mein Interesse war wieder geweckt. Ich begann, mich etwas mit dem Thema zu beschäftigen, aber nicht sehr intensiv, weil meine Arbeit all meine Zeit für sich beanspruchte, sodass ich jeden Tag erst nachts heimkam und nicht einmal jedes Wochenende frei hatte. Es folgte ein halbes Jahr voller Veränderungen.

Im Herbst des selben Jahres kam mein Freund Paul bei einem Autounfall ums Leben. Das brachte mich zum Nachdenken über mein eigenes Leben. Wer weiß, wie lange ich noch habe und ich verbringe mein ganzes Leben nur auf der Arbeit. Etwas musste sich ändern. Kurzerhand reichte ich meine Kündigung ein.

Dann kam das Jahr 2019. Die lange Kündigungsfrist in meinem Unternehmen bedeutete, dass ich noch bis Ende März arbeiten musste, obwohl ich schon Ende 2018 die Kündigung eingereicht hatte. Doch es war als hätte jemand meine ganze Arbeit verwandelt. Von einem Tag auf den anderen hatte ich einen neuen Manager und eine neue Aufgabe im Projekt, die so gar nichts gemein hatte mit allem was ich zuvor tun musste. Plötzlich hatte ich Freiheit, Verantwortung und – ich konnte es selbst kaum glauben – Spaß an der Arbeit! Ich zog meine Kündigung zurück.

Statt der durchgearbeiteten Nächte hatte ich plötzlich jeden Tag um 18:00 Uhr Feierabend. Das war für mich so ungewohnt, dass ich erst gar nichts mit der ganzen freien Zeit anzufangen wusste. Ich beschloss, mir ein paar Hobbies anzueignen. Das was mir einfiel war Tauchen, Segeln und Motorradfahren. Ich meldete mich bei der Fahrschule für einen Kurs zum Erwerb der Fahrerlaubnis Klasse A an, buchte einen Sommerurlaub an einer Tauchschule und begann endlich damit, mich ernsthaft mit dem Thema Sportbootführerschein auseinanderzusetzen. Hier sind also 5 Dinge, die ich durch diesen Prozess gelernt habe, die ich aber gern schon davor gewusst hätte, da sie mir einige Kosten und auch Zeit erspart hätten.

1. Welcher Schein ist für mich der richtige?

Man kann in Deutschland leider keinen Führerschein machen, der es einem sofort erlaubt, überall und mit jedem Boot zu fahren. Vielmehr muss man viele Führerscheine für die verschiedenen Antriebsarten und Gewässer machen. Hier eine Übersicht über die einzelnen Führerscheine und wo und womit mit diesen gefahren werden darf:

  • Sportbootführerschein (SBF) See: Motoryacht auf dem Meer
  • Sportbootführerschein (SBF) Binnen: Motoryacht auf Flüssen und Seen (außer auf dem Bodensee)
  • Sportbootführerschein (SBF) Binnen (Antriebsart Segel): Motoryacht und Segelboot auf Flüssen und Seen (außer auf dem Bodensee)
  • Bodenseeschifferpatent A: Motoryacht auf dem Bodensee
  • Bodenseeschifferpatent D: Segelboot auf dem Bodensee
  • Sportküstenschifferschein (SKS): Segelboot auf dem Meer in bis zu 12 Seemeilen Abstand zur Festlandküste – Voraussetzung: Sportbootführerschein See
  • Sportseeschifferschein (SSS): Segelboot auf dem Meer in bis zu 30 Seemeilen Abstand zur Festlandküste – Voraussetzung: Sportküstenschifferschein
  • Sporthochseeschifferschein (SHS): Segelboot auf dem Meer weltweit – Voraussetzung: Sportseeschifferschein

Wie du siehst, braucht man für den Bodensee spezielle Führerscheine, sogenannte Bodenseeschifferpatente. Dies liegt daran, dass der Bodensee drei verschiedenen Ländern „gehört“ (Deutschland, Österreich und Schweiz). Das heißt, dass Deutschland nicht einfach selber Gesetze beschließen kann, die für den ganzen Bodensee gelten, sondern die drei Länder mussten sich zusammensetzen und Regeln beschließen, die für alle drei Länder ok sind und die dann auf dem Bodensee gelten.

Wenn du, wie ich, einmal auf dem Meer segeln gehen möchtest, siehst du auch, dass man dafür nicht sofort einen Führerschein machen kann. Als erstes muss man mit dem Sportbootführerschein See anfangen. Erst dann darf man auch den Sportküstenschifferschein machen. Ich habe jetzt erst diesen ersten Schritt getan und kann deshalb auch nur über den SBF See berichten, aber wenn es dich interessiert, dann melde dich für meine Mailing-Liste an, um meinen Blog nicht zu verpassen, wenn ich dann mit dem SKS soweit bin.

Die gute Nachricht ist, dass man die Praktische Prüfung für den SBF Binnen und einen Teil der Theorie nicht mehr machen muss, wenn man den SBF See schon hat. Zudem lassen sich die Bodenseeschifferpatente prüfungsfrei in einen SBF Binnen umschreiben. Also ist es, wenn du, wie ich, einmal alle diese Scheine haben möchtest, am sinnvollsten, mit dem SBF See zu beginnen, dann mit den Bodenseeschifferpatenten weiterzumachen, diese in einen SBF Binnen umzuschreiben und sich letztlich mit all diesen Fahrerlaubnissen in der Tasche vom SKS über den SSS zum SHS hochzuarbeiten.

2. Lerne die Theorie Online

Jeder der je einen Bootführerschein erworben hat wird dir sagen, dass du niemals Einzelkurse, sondern immer nur Kombinationskurse aus mindestens Sportbootführerschein See und Sportbootführerschein Binnen buchen solltest. Jede Fahrschule bietet solche Kombi-Kurse an und dieses Angebot nicht in Anspruch zu nehmen bietet dir keinerlei Vorteile sondern kostet nur mehr Geld. Denn du brauchst auf jeden Fall mindestens diese beiden Führerscheine, wenn du wirklich jederzeit die Möglichkeit haben willst, hinaus aufs Wasser zu fahren.

Was viele nicht wissen ist, dass du noch mehr Geld sparen kannst, indem du die Theorie für alle Scheine in einem Paket als Onlinekurs buchst. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass du dir deine Zeit völlig selbständig einteilen kannst und nicht darauf angewiesen bist, wann deine Segelschule Theoriestunden anbietet. Du kannst die Lektionen in deiner eigenen Geschwindigkeit abarbeiten, hast keinen Zeitdruck und verlierst keine Zeit mit An- und Abreise zur Segelschule sowie wegen Fahrschülern, die eine etwas längere Leitung haben als du. Für nur 200€ kannst du die Theorie für den SBF See, SBF Binnen, Bodenseeschifferpatente A+D beim besten Segellehrer Deutschlands Rolf Dreyer lernen. Obendrauf gibt’s noch die Theorie für die beiden Seefunkzeugnisse Binnen und See sowie für den Pyroschein, die für jeden gesetzlich vorgeschrieben sind, der ein Funkgerät bzw. Leuchtraketen an Bord hat (diese gehören zur Grundsicherheitsausrüstung). Das ist das Paket, das ich letztlich gebucht habe, weil es mMn wirklich nichts besseres gibt. Wenn du auch sofort loslegen möchtest, findest du diesen Kurs unter folgendem Link (es darf kein Adblocker aktiviert sein):

Bootsführerschein

Du kannst da, wenn du willst, übrigens auch für nur 5€ mal für ein paar Tage unverbindlich reinschnuppern und dich ein wenig mit der Lernumgebung vertraut machen.

3. Bestelle frühzeitig Navigationsbesteck

Ich habe den Fehler gemacht, dass ich ohne weiteres Wissen sofort mit dem Onlinekurs von Rolf Dreyer losgelegt habe. Das war nicht weiter schlimm, aber als ich dann zu den Übungsaufgaben zur Navigation gekommen bin, habe ich erst gemerkt, dass ich für die Theroieprüfung Navigationsbesteck brauche, das dieses nicht gestellt wird und auch Übungskarten. Im Kurs findet man dazu Links, aber wenn man erst soweit mit dem Kurs ist, hat man nicht Lust ein paar Tage auf das Navigationsbesteck und die Übungskarten zu warten bevor man weitermachen kann. Deshalb mein Tipp: bestelle dir diese Sachen sofort wenn du mit dem Kurs beginnst und wenn du dann an der Stelle mit den Navigationsaufgaben angelangt bist, wirst du direkt weitermachen können. Navigationssets kosten auf Amazon alle ungefähr um die 20€. Ich habe einfach den Bestseller gekauft und bin damit ganz gut gefahren. Hier ist der Link zu diesem Navigationsset:

https://amzn.to/2VRjA2l

Und hier der Link zu den Übungkarten, die man auch unbedingt zur Prüfungsvorbereitung braucht:

https://amzn.to/2VWeAcG

Wenn du dich zum Onlinekurs angemeldet hast und diese zwei Sachen bestellt hast, bist du auf jeden Fall startklar. Die letzten beiden Punkte sind erst zu einem späteren Zeitpunkt relevant, nämlich wenn es schon an die Prüfungsanmeldung geht.

4. Je weiter im Norden, desto billiger

Der nächste Fehler, denn ich gemacht habe, war, meine Fahrstunden am Bodensee zu buchen. Meine Logik hier war, dass ich wusste, dass ich danach auch noch die Bodenseeschifferpatente machen möchte und so schon einmal den ganzen Prozess dort unten kennenlernen könnte. Aber das ist völliger Unsinn und hat mich nur unnötig Geld gekostet.

Erstens, muss man die Bodenseeschifferpatente nicht unbedingt am Bodensee machen. Zweitens, hat man gar keinen Vorteil, wenn man beim selben Fahrlehrer Fahrstunden für verschiedene Prüfungen nimmt und drittens und vielleicht am wichtigsten: Je weiter südlich man geht, desto teurer ist die Fahrstunde.

Es ist eine komische Regel, aber an der Norsee gibt es echt Fahrschulen, die 20€ pro Fahrstunde und keine Sondergebühr für die Prüfungsfahrt verlangen. Je weiter in den Süden man geht, desto teurer wird die Fahrstunde und alle möglichen unsinnigen Gebühren können hinzukommen. Ich habe in meiner Unwissenheit erst einmal drei Fahrstunden am Bodensee, am südlichsten Zipfel auf der österreichischen Seite gebucht.

Mache diesen Fehler nicht. Buche wenn, dann aus Bequemlichkeit irgendwo bei dir in der Nähe Fahrstunden (aber erst, wenn du dich schon zur Prüfung am selben Ort angemeldet hast!). Bist du aber bereit, eine längere Strecke für die Fahrstunden und -Prüfung zu fahren, so buche diese nach Möglichkeit so weit im Norden Deutschlands wie möglich.

Alternativ, hast du seit Kurzem auch die Möglichkeit, die Fahrausbildung und -Prüfung im Ausland zu absolvieren und so mit dem Urlaub zu verbinden. Dafür fällt allerdings eine Sonderauslandsgebühr an.

5. Wie lange dauert der Spaß?

Die letzte Sache, die ich dir gerne mitteilen möchte, die ich auch gern vor meinem Abenteuer SBF See gewusst hätte ist, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt. Ich dachte anfangs, dass ich das irgendwie so larifari-mäßig nebenher schaffen würde. Doch als ich dann anfing zu lernen, merkte ich, dass das Lernen der Theorie doch mehr Zeit und Energie in Anspruch nimmt als ich mir vorgestellt hatte. Ich hatte das Glück, dass ich genau in der Zeit, indem ich mit dem SBF See anfing, nach Hause geschickt wurde, um Überstunden abzubauen und mich so einige Zeit 100% dieser Unternehmung widmen konnte.

Mit dieser Intensität hat es mich 2 ganze Wochen von 9:00 Uhr morgens bis 20:00 Uhr abends gekostet. Natürlich habe ich mir dabei Zeit gelassen und zwischendurch auch mal was anderes gemacht, aber das sollte dir einen guten Maßstab bieten, wie viel Zeit dieser Spaß ungefähr in Anspruch nimmt. Denn die Theorie braucht am meisten Zeit. Für die praktische Prüfung reicht es, wenn man am Tag vor der Prüfung 3 Fahrstunden bucht. Da lernt man alle Manöver, die man braucht und im Regelfall besteht man damit.

Zusammengefasst

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Blogbeitrag helfen, dir etwas Übersicht über die verschiedenen Optionen beim Bootführerschein zu verschaffen und dich vielleicht sogar motivieren, auch dieses wunderbare Hobby in Angriff zu nehmen.

Hier zusammenfassend nochmal die wichtigsten Punkte zum mitnehmen:

  1. Buche soviele Theoriekurse wie möglich in einem Paket und zwar Online.
  2. Fange mit dem Sportbootführerschein See an, mach dann die Bodenseeschifferpatente und lasse sie zu einem SBF Binnen umschreiben. Anschließend kannst du gemütlich und in aller Ruhe mit SKS, SSS und SHS weitermachen und hast ’ne Menge Zeit und Geld gespart.
  3. Bestelle sofort wenn du mit dem Theoriekurs beginnst Navigationsbesteck und Übungskarten, damit du nicht gezwungen bist auf diese zu warten, wenn du zu diesem Teil im Theoriekurs kommst.
  4. Buche Fahrstunden (davor natürlich die Prüfung) nach Möglichkeit so weit im Norden Deutschlands wie möglich.
  5. Rechne mit mindestens 50 Stunden für die gesamte Theorie. Wenn du dich vollends darauf konzentrierst, solltest du den ganzen Stoff in 2 Wochen schaffen.

In diesem Sinne wünsche ich dir noch alles Gute beim Entwickeln deiner Hobbies. Ahoi!

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